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Hamburg am 13.10.2010dritter Tag des zehnten Zyklus

Malcolm X bei Silke Schenk

Strelok, Schlomo, Teddy Schenker und Mosche

100 x 150cm Kreide auf Schultafel, gelöscht am 20.10.2010

„Der Basta-Kanzler fährt mit der Talibahn in den Vatikan.“

Ein schöner Abend. Überraschend kommt Strelok! Unser Thema ist Talkshow. In der Knickgeschichte geht es dann auch um eine Folge „Schenk! Dir! Das! – der Talk mit Silke Schenk!“ Das Tafelbild ist aus einer anderen Folge von „Schenk! Dir! Das!“, zum Thema Migration.

Talkshow

Heute Abend finden sich einige ausgewählte Persönlichkeiten der öffentlichen Aufmerksamkeit ein, um eine bahnbrechend, interdimensionale Problemstellung zu erörtern. Einleitend begrüßt die Moderatorin Silke Schenk das Publikum und stellt die Gäste vor. Der Einspielfilm zeigt einen explodierenden Koffer. „Manfred Zimmer ist Sprengstoffexperte, der ein Buch geschrieben hat und das hat er auch dabei.“ Silke Schenk hält das Buch in die Kamera und sagt: „Dieses Buch hier erzählt die unglaubliche Geschichte eines jungen Mannes, der klinisch schon tot war, und zwar weit über 48 Stunden. Als er plötzlich auf dem Seziertisch nach einem Glas Wasser fragte, schauten ihn alle erstaunt an. Seine Bauchdecke lag aufgeklappt und er verspürte keinen Schmerz, wie seit dem nie wieder. Begrüßen Sie nun mit mir den schmerzlosen Herrn K.“ Das Publikum applaudierte.

Silke Schenk kündigt den letzten Gast an: „Die Welt am Abgrund? Dr. Kern, der Erzeuger des so genannten ‚Schwarzen Loches von Cern‘ „. Die Regie veranlasst Silke Schenk, eine Zuschauermeldung ins Programm aufzunehmen. Wie sich herausstellt, nimmt der  Zuschauer Bezug auf das Bild „Thomas Gottschalk und Malcolm X“ vom weitbekannten Trialog. Diese überraschende Wende in der Dramaturgie des Abends läßt die Zuschauer von überraschter Sprachlosigkeit in ekstatischen Jubel fallen.

Manfred Zimmer stellt seinen Koffer auf den Schoß und erklärt in der abebbenden Brandung den Zündmechanismus, der im Koffer verborgenen Bombe. Herr K. zieht die Augenbrauen hoch: „Hören Sie auf! Kapieren Sie nicht? Wissen Sie denn nicht, was mit solchen Bomben gemacht wird? Ich habe es selbst erlebt! Es war nicht schön! Das kann ich Ihnen sagen. Also, hören Sie auf mit Ihrem dummen Gesülze. Ich kann’s nicht mehr hören. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Dr. Kern! Er hat eine Mission, und ich wäre gern ein Teil davon. Herr Dr. Kern, ich bitte Sie, mich in Ihr Team aufzunehmen. Ich habe nichts zu verlieren. Ich verspüre keine Schmerzen. ICH BIN IHR MANN!“

„Hören Sie, mein Herr, wir brauchen keinen Sprengstoffexperten – schmerzfrei hin oder her. Wir brauchen eine Möglichkeit, ein schwarzes Loch von der Größe eines Staubkorns und einer Gravitation von 2 tera G in einen Behälter zu verschließen, und ein paar Lichtjahre sicher in den Weltraum zu schießen. Der einzige Mensch auf der Welt, der das schaffen kann, bin ich allein!“ Allein, ganz allein im Universum, verlassen von allen. Oder vielleicht doch nicht? Das ist die Frage, welche den verbleibenden Abend das Bewusstsein beherrschen wird.

Testbild und ein konstantes Rauschen.

Jetzt wird der GEZ-Zahler des Monats vorgestellt, wie er in einem Einspielfilm seine Katze füttert.

Mittlerweile ist im Studio von „Schenk! Dir! Das!“ Panik ausgebrochen. Die, die noch flüchten können, bilden einen Sack aus Fleisch, der sich wie eine Masse durch die Notausgänge drückt, wie Leberwurst aus der Tube. ‚Das Fleisch ist dumm‘, dachte Silke Schenk, die die Explosion wie durch ein Wunder überlebt hatte. Sie sah sich um. Herr K. klopfte sich seinen Anzug ab und lächelte sie an. „Wie geht es Ihnen?“ fragte sie ihn. „Gut, aber nennen Sie mich doch ruhig Kanzler, das tun alle meine Freunde. Und wie geht es Ihnen? Verspüren Sie Schmerzen, oder geht es Ihnen wie mir und spüren nichts, keinen Unterschied, weil Sie vorher schon tot waren?“

„Hier von einer ‚Krise der Wissenschaft‘ zu reden, wäre verfehlt. Und wenn ich so Menschen, wie die hier im Studio, sehe, dann wäre es besser, die Energiekäfige um das schwarze Loch abzuschalten. Also: sein Sie lieber nett zu mir. Denn ich bin die Welt!“

Auf dem beschädigten Plasma-TV flackerte der Einspielfilm, der zeigt, wie die Erde von einem schwarzen Loch verschlungen wird. Der Bildschirm stirbt mit einem letzten Hauch von Erleuchtung und Kern beginnt sich in eine breiige, schwarze Masse zu verwandeln. Dann…

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