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Berlin am 10.05.2013zweiter Tag des zweiten Zyklus‘

Abgefahrn! Seemannsgarn!

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Socko, Ivan und Meister Splinter

Kreide auf Schultafel, 130 x 90 cm, gelöscht am 21.05.2013

Wie eine Bildüberschrift steht das zentrale Thema des Abends in unserem Bild. Schwul mit Fragezeichen. Kann man sich ja einfach mal fragen. Kann man aber auch lassen. Vor allem kann man diskutieren. So dass aus Spaß ganz schnell Ernst wird und dann wieder Spaß. Wir beschimpfen uns, Star Wars wird zum Thema, das „System“ oder die „Gesellschaft“ befragt, wir malen ein bisschen blind und wir spielen Eşek. Wir schreiben zwei Knickgeschichten. Ganz viele Fragen an diesem Abend. Müssen wir immer funktionieren? Muss man, wenn man A sagt auch A machen? Letzte Frage: Wie ist das mit dem Sex? Am Ende pupsen wir.

Knickgeschichte I

Es war einmal, mitten in der 3. Orbit Galaxie von Polyton. 2000 lustige Donnerhäschen aßen gemütlich einen großen Topf Rosen. Es war grausam. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, stand auf, wischte sich die Kotze vom Schottenrock und tanzte weiter. Die Musik klang wie harter Robotersex. Die olle Cyborgnutte kreiste immer noch ihre Hüften im Future-Takt. Plötzlich trat Vegeta auf. Und ging sofort wieder. Oder auch nicht? Doch. Oder doch nicht? Er wusste es nicht. Es war ihm auch egal. Denn obgleich er sich nicht mehr kannte, fühlte er sich wohl. Das Lächeln auf seinen Lippen hatte sie ihm geschenkt. Wer hätte gedacht, dass aus Sex für Geld solch Glück entstehen kann. Und doch, dachte James Norrington III., war es nur ein Fick auf der Toilette gewesen. Wer denkt sich solche Geschichten aus? Wer waren die Menschen, die ihn belauschen? James atmete rasselnd auf. Shit Happens. And shit is fuck. And fuck is fun. So who cares dachte er und verliebte sich neu. Zwölf Jahrhunderte später heiratete er, dank eines neuen Cyberkonzerns unsterblich geworden, und lebte glücklich, wie einst nach dem Kotzen.

Knickgeschichte II

Kunibert Knust, der alte Seebär machte die Seile los und stach mit seinen 80 Männern in See. Sie waren auf der Suche – der Suche nach dem Land des vertikalen Lächelns, als purpur behelmte Krieger. In der Tradition ihrer Kaste musste es immer einen Anführer geben. Nur der mit dem längsten Kurzbogen konnte diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen. Nur zwei Kurzbögen waren lang genug: Mitch Marcus und sein gerahmter Goldbogen gegen Lahmer Wollschal mit dem Bogen der abgeleckten Stuhllehne. Lahmer Wollschal und Mitch Marcus waren einmal enge Freunde von Kunibert Knust. Mit der Gier jedoch, den längsten Kurzbogen zu besitzen änderte sich ihre Liebe in echten Seemannshass. Hass – der so grenzenlos war, wie die See selbst. Denn der längste Kurzbogen war das Zeichen der alles zerberstenden – interstellarischen Todesmacht im Glauben der Ägypter – und Katzen. Im Zeichen des Hasses – so die uralte Prophezeiung – sollte ein Kampf zweier Brüder stattfinden, so episch, dass schon jetzt Merchandising-Artikel im Intranet ersteigert werden konnten. Es gab nur diese Brüder nicht. Es gab nur Kunibert Knust und seine ehemals besten Freunde. Das Piratenschiff hatte inzwischen Die Küste von Neu-Papua-Ginea erreicht. Doch wollten sie da überhaupt hin? War dies ihr Ziel? In einem Anfall von intergalaktischem Wahnsinns-Terror sprang er. Über Bord. Ins Wasser. Von einer Planke. Eintauchen. Stille. Kein Bogen, keine Prophezeiung, keine Ehre. Macht durch den Lungenkollaps in dieser Kälte. Scheiß-Kälte. Ich könnte ausrasten. Mitch war nicht mehr Teil dieser Geschichte. Diese Geschichte nahm eine andere Wendung. Auf die Fresse – so blinkten die Leuchtschilder auf der Unterwasserstraße. Und ein Walsteak schwamm vorbei. Lecker. Kunibert Knust biss in das Walsteak in der Hoffnung es würde die abgefuckte Kälte ignorieren lassen. Die Unterwasserstraße schien endlos lang. Eisberge schwammen vorbei. Ein Fischnebel tauchte auf. Wahnsinnsgeile Dinger, aber Kack-Aussicht. Überall Fisch, nur Fisch. Er musste würgen bei dem Gedanken an Fisch. Und das als Seemann – wie erniedrigend. Er wollte nicht eines Tages als Werbeikone für Iglu sein Gesicht für Fischstäbchen verkaufen. Obwohl das war ok, das war ja kein Fisch. An diesem Punkt überschneiden sich Realität und Fiktion. Der Seemann könnte a) der Erzähler und b) der Autor der Iglu-Werbekampagne sein. Der Fisch wirkt als Metapher für die Langbogen. Die Analyse endet. Die Kaste lebt. „Boo-ya“, schreit Mitch und zieht den Bogen gegen den Lahmen. Beide erheben sich über ihre Vorfahren. Das Wasser steigt. Mit einem Wusch zerfetzt der Pfeil ihre Körper in 88 Stücke. Kunibert Knust erreichte die Weltherrschaft und genoss Ruhm und Ansehen der Seefahrer. Ende.

Save the World

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