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Hamburg am 27.04.2011, erster Tag des vierzehnten Zyklus

Hummelrobben

Diana, Schlomo, Body Schenker und Mosche

150 x 100 cm Kreide auf Schultafel, gelöscht am 04.05.2011.

Der Trialog verlässt langsam die Innenschau und wendet sich den Problemen der Welt zu. Die Hummelrobbe windet sich durchs Bild und wendet sich an uns. Das erste Charity-Projekt wird geplant. Die Aufgaben werden dezentralisiert. Mehr und mehr Schultern tragen. Wir singen die Filmmusik aus „High Noon“ und eine sehr schöne Knickgeschichte wandert um den Tisch. Inspiriert, aber noch lange nicht befriedigt, gehen wir auseinander.

KNICKGESCHICHTE

Ein Rauschen, nur ein Rauschen, Dann … der Duft der Blumen. Ihm war warm. Das hohe, grüne Gras auf dem er lag, kitzelte seinen Nacken. Er atmete tief durch und öffnete die Augen. Die hellen Sonnenstrahlen blitzten auf der ruhigen Oberfläche des Ozeans. Außer dem Rauschen der Blätter, die im warmen Wind hin- und her tanzten, war immer noch nichts zu hören. Er sah sich um. Kein Mensch war zu sehen. Er fing an laut zu lachen. Er duckte sich. Er tanzte, er sprang hoch in die Luft und er fühlte sich, als würde er nicht mehr auf der Erde landen. Er schien zu schweben. Juhu, endlich war er frei.

Zur gleichen Zeit betrachtete der Operator seinen Bildschirm.
„Ich glaube er tanzt …“
Der Major warf ihm einen genervten Blick zu.
„Ich mach ne Copy davon in den Bericht“. Das war gerade noch mal gut gegangen. Melden macht frei, dachte er sich. Am Abend war er mit Natascha zum Tanzen verabredet. Ob es so sein würde, wie er es sich den ganzen Tag schon ausgemalt hatte?
„Tanzt er immer noch?“ Der Major blickte ihn scharf an.
„Nein, Sir. Ich glaube, er denkt, er ist frei. Er hat sich jetzt hingesetzt.“

In der Stadt dachte Natascha an den Abend. Sie wusste, es war ein Unrecht gigantischen Ausmaßes, ihn nicht in ihre Pläne einzuweihen. Der Operator kam zu spät und verschwitzt zu ihrem Date gehetzt.
„Tut mir leid. Ich habe noch Arbeit zu erledigen. Ich kann nur kurz mit Dir reden. Aber soviel jetzt schon: Ja, ich will dich heiraten. Ich liebe Dich und will Kinder mit Dir!“ Er dachte an den tanzenden Major. Natascha sah ihn entgeistert an und flüsterte:
„Wir können nicht heiraten! Mein Mann wird dich töten, wenn er es erfährt.“
Ich opferte meine Sicherheit auf dem Altar des Lebens und schaute, ich blickte, ich fiel in ihre Augen. Wir wachten auf im nächsten Leben. Wir wachten auf, aber es war nicht das nächste Leben … Wir sahen einen Major mit einem Schnauzbart. Hinter ihm zwei lüstern schauende Gorillas. Ich war nur mit einem Bettlaken bekleidet. Sie begann zu schreien. Völlig unerwartet fing der Major an zu weinen. Die Gorillas grunzten nur vor sich hin und wussten nicht so recht, was sie tun sollten. Erst sah es so aus, als wären sie nur peinlich berührt, dann aber fingen auch sie an zu weinen. Wir sahen uns fragend an.
Was tun?

Drogen nehmen und rumfahren. Wir haben keine Probleme, und der warme Sommerfahrtwind strömt in die offenen Fenster. Im Kassettenrecorder ist „Thermonuclear Sweat“ von „Defunkt“. Die braunen Velour-Polster ergänzen die weiche Federung des Peugeot perfekt. Die Nähte zwischen den Betonplatten der Straße, die wir entlangfahren, ergeben ein rhythmisches Blupp, Blupp, das als leichte Welle im Hintern zu spüren ist. Der Major hatte den Fuß genauso aufs Gas gestellt, dass das Geräusch der Räder perfekt in den Beat der Musik passte. Es war wie Fliegen und alles war gut. Zum rhythmischen Blupp, Blupp gesellte sich plötzlich ein metallenes Kreischen und das rechte Vorderrad löste sich aus seiner Verankerung und sprang vom Wagen ab. Dieser driftete rapide auf die linke Fahrbahn, verpasste knapp einen Lastwagen des Gegenverkehrs und rammte abseits der Straße ein marodes Klohäuschen. Das, was nicht angeschnallt war, wirbelte im Fahrgastraum umher und McDonalds-Ketchup klatschte gegen die Frontscheibe. Der Motor starb mit einem letzten Hauch von Verdichtung und die, die noch konnten, stiegen aus und flüchteten über ein Rapsfeld Richtung Waldrand.

„Bingo“ sagte der Major, und klopfte dem Operator auf die Schulter.
„Guter Schuss! Und jetzt sehen Sie zu, dass Sie zu ihrem Mädchen kommen!“
„Danke, Sir!“
Natascha, endlich.
Natascha hatte inzwischen ihre Tasche gepackt. Wo blieb er nur? Vor ihrem Fenster rummste es. Zwei Autos waren zusammen gekracht. „Oh nein!“, sagte Natascha.

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3 Antworten auf ∆1_110427_1.14

  1. schlomo sagt:

    Ach so. Das war natürlich ein Witz.

  2. mosche sagt:

    Das war das Projekt zur Rettung der gemeinen Hummelrobbe und ihrer großen Schwester der Tiefsee-Hummelrobbe.

  3. schlomo sagt:

    Hä? Was für ein „Charity-Projekt“ haben wir denn geplant?

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